Personalisierte Online-Suche als Datenlieferant des Marketings

Soeben ist ein neuer Beitrag von mir mit dem Titel “‘Think of it first as an advertising system’: Personalisierte Online-Suche als Datenlieferant des Marketings” (pdf) in der Online-Zeitschrift kommunikation@gesellschaft erschienen. Der Text befasst sich mit der Frage, wie die Nutzerdaten, die bei der personalisierten Suche erhoben werden, für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden.

Etwas ausführlicher:

Suchmaschinen gehören seit langem zu den wichtigsten Werbeträgern im Netz und es wird mittlerweile offen zugestanden, dass die gezielte Vermarktung von Werbeplätzen sich zur Kernaufgabe der Suchmaschinenbetreiber entwickelt hat. Um dem Ruf nach relevanteren Suchergebnissen nachkommen zu können, binden neue Formen der personalisierten Suche immer weitere Bereiche des Nutzerverhaltens in den Suchprozess ein, gleichzeitig schaffen die gesammelten Daten aber auch die Grundlage für eine noch engere Verzahnung ökonomischer Interessen mit dem persönlichen Nutzungskontext. Mit Bezug auf aktuelle Theoriebildung aus den „Surveillance studies“ diskutiert der Beitrag die Rolle der personalisierten Suche als Bindeglied zwischen Nutzer und Werbung. Sowohl die Entwicklung der Online-Werbung als auch die technischen Grundlagen der personalisierten Suche werden skizziert, um schließlich an zwei konkreten Beispielen zu erläutern, welche Daten bei der personalisierten Suche erhoben werden und wie diese zu Werbezwecken verwendet werden können. Dabei wird deutlich, dass die zunächst zur Verbesserung der Suchergebnisse erhobenen Nutzerinformationen einem immer stärkeren kommerziellen Verwertungsdruck ausgesetzt sind.

Diskutiert werden kann der Beitrag auch im Blog der Zeitschrift.

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Bericht vom acatech-Symposium in Berlin

Nach eineinhalb Wochen komme ich nun endlich mal dazu, vom acatech-Symposium in Berlin am 31.5. zu berichten. Im @-web-Newsletter gab es schon eine ausführliche Besprechung der technischen Neuerungen in den geplanten „Suchmaschinen von morgen“. Interessant waren allerdings auch die politischen Diskussionen, die dort geführt wurden.

Der Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen (Uni Konstanz), Autor des sehr guten Beitrags „Macht Google autonom“ im Buch „Die Google-Gesellschaft“, heizte durch manchen provokanten Kommentar die Diskussion an. Google sei keine Such- sondern eine Marketingmaschine, außerdem sei es aufgrund der starken Konzentration an der Zeit, über eine „Zerschlagung“ der Monopolstrukturen nachzudenken. Vom Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Wolf-Dieter Lukas, erntete Kuhlen für diese Ansicht keine Zustimmung – er sah im Gegenteil keinerlei Handlungsbedarf. Stattdessen lobte Lukas den Unternehmergeist der Google-Gründer und stellte fest, dass diese bisher alles richtig gemacht hätten. Woraufhin er sich den Vorwurf gefallen lassen musste, das BMBF entwickele sich von einer Bildungs- zu einer Wirtschaftsförderungsinstitution. Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass sich Kuhlens Argumentation hauptsächlich auf den Bereich der wissenschaftlichen Informationen bezog. Angesichts der zunehmenden kommerzielle Verwertung wissenschaftlicher Informationen, die ursprünglich durch öffentliche Förderung entstanden sind, sprach er von einer Verknappungssituation, die sich durch eine Erweiterung von Open Access-Modellen entschärfen ließe.

Interessant war in diesem Zusammenhang auch der Vortrag des Soziologen Rudi Schmiede von TU Darmstadt. Seine Frage, ob wir auf dem Weg in die „Google-Gesellschaft“ sind, bejahte er, allerdings mit einigen neuen begrifflichen Anordnungen. So sprach Schmiede sich dafür aus, im Bereich der Suchmaschinen den Begriff der Medienkompetenz durch den der Urteilskraft zu ersetzten, da so eine breitere Sicht auf die Konsequenzen von Googles Definitionsmacht möglich wird. Er bemängelte die unzureichende Ausbildung, auch im journalistischen Bereich, die eigentlich auf eine Stärkung der individuellen Urteilskraft abzielen müsse. Im Bereich der Technikentwicklung müsse zudem die Autonomie der Individuen Zielvorgabe sein und daher stärkeres Gewicht auf anthropozentrische Technikgestaltung gelegt werden.

Es war sehr erfrischend, auf einer so hochkarätig besetzten und perfekt durchorganisierten Tagung einmal so deutliche Kontroversen zu erleben – auch wenn letztendlich die geplante Umsetzung der technischen Projekte im Vordergrund stand und wahrscheinlich auch stehen wird.

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Google auf dem letzten Platz in Datenschutzbericht

In einem Vergleich der Datenschutzpraxis führender Internetfirmen belegt Google den letzten Platz und wird als einzige von 23 Firmen als „datenschutzfeindlich“ eingestuft. Der von der englischen Organisation Privacy International (PI) erstellte Bericht (pdf) wurde am 9.6. veröffentlicht und soll bereits starke Reaktionen von Googles Seite hervorgerufen haben. So wurde PI angeblich zu Last gelegt, dass ein Mitarbeiter Verbindungen zu Microsoft hat und sich der Bericht daher zu einseitig auf Google konzentriere. In einem offenen Brief an Google widerspricht PI diesen Anschuldigungen.

Die Kritik an Googles Datenschutzpraxis umfasst im Einzelnen:

  • Google account holders that regularly use even a few of Google’s services must accept that the company retains a large quantity of information about that user, often for an unstated or indefinite length of time, without clear limitation on subsequent use or disclosure, and without an opportunity to delete or withdraw personal data even if the user wishes to terminate the service.
  • Google maintains records of all search strings and the associated IP-addresses and time stamps for at least 18 to 24 months and does not provide users with an expungement option. While it is true that many US based companies have not yet established a time frame for retention, there is a prevailing view amongst privacy experts that 18 to 24 months is unacceptable, and possibly unlawful in many parts of the world.
  • Google has access to additional personal information, including hobbies, employment, address, and phone number, contained within user profiles in Orkut. Google often maintains these records even after a user has deleted his profile or removed information from Orkut.
  • Google collects all search results entered through Google Toolbar and identifies all Google Toolbar users with a unique cookie that allows Google to track the user’s web movement. Google does not indicate how long the information collected through Google Toolbar is retained, nor does it offer users a data expungement option in connection with the service.
  • Google fails to follow generally accepted privacy practices such as the OECD Privacy Guidelines and elements of EU data protection law. As detailed in the EPIC complaint, Google also fails to adopted additional privacy provisions with respect to specific Google services.
    Google logs search queries in a manner that makes them personally identifiable but fails to provide users with the ability to edit or otherwise expunge records of their previous searches.
  • Google fails to give users access to log information generated through their interaction with Google Maps, Google Video, Google Talk, Google Reader, Blogger and other services.

Interessant ist aber auch, dass keine der anderen Firmen in dem Bericht besonders gut wegkommt. Die Datenschutzsituation insgesamt wird als „erschreckend“ beschrieben und im Fazit findet sich eine recht düstere Einschätzung der gegenwärtigen Entwicklungen im Netz:

The current frenzy to “capture” ad space revenue through the exploitation of new technologies and tools will result in one of the greatest privacy challenges in recent decades. The Internet appears to be shifting as a whole toward this aim, and the opportunity to create market differentiators based on responsible privacy may diminish unless those avenues are explored immediately.

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New York Times berichtet über Googles Relevanzkriterien

Nach unzähligen Google-Reportagen, die sich in Beschreibungen bunter Sitzbälle, der Essensauswahl und des Massagesessels von Sergey Brin ergehen, dringt jetzt tatsächlich einmal so etwas wie Information aus dem Googleplex.

New York Times-Reporter Saul Hansell durfte einige Tage lang das Search Quality-Team von Google begleiten. Seine Eindrücke wurden vor einigen Tagen in dem Artikel „Google Keeps Tweaking Its Search Engine“ veröffentlicht.

Einerseits wird hier deutlich, wie weit die Entwicklung der Relevanzkriterien seit der Erfindung des PageRank fortgeschritten ist. PageRank selbst wird als nur ein “Signal” unter ca. 200 anderen bezeichnet. Interessant ist, wie so genannte „classifier“ und das Konzept der „topicality“ eingesetzt werden, um Relevanzkriterien an bestimmte Suchwörter anzupassen:

Once Google corrals its myriad signals, it feeds them into formulas it calls classifiers that try to infer useful information about the type of search, in order to send the user to the most helpful pages. Classifiers can tell, for example, whether someone is searching for a product to buy, or for information about a place, a company or a person. Google recently developed a new classifier to identify names of people who aren’t famous. Another identifies brand names. These signals and classifiers calculate several key measures of a page’s relevance, including one it calls “topicality” — a measure of how the topic of a page relates to the broad category of the user’s query. A page about President Bush’s speech about Darfur last week at the White House, for example, would rank high in topicality for “Darfur,” less so for “George Bush” and even less for “White House.” Google combines all these measures into a final relevancy score.

Auch das Thema Personalisierung wird angesprochen, leider wird aber nicht wirklich deutlich, ob diese Form der Personalisierung nur im Rahmen einer Suche mit aktiviertem Suchprotokoll erfolgt, oder aber immer, sobald man eingeloggt ist:

Increasingly, Google is using signals that come from its history of what individual users have searched for in the past, in order to offer results that reflect each person’s interests. For example, a search for “dolphins” will return different results for a user who is a Miami football fan than for a user who is a marine biologist. This works only for users who sign into one of Google’s services, like Gmail.

Bei Matt Cutts wird die Reportage auch noch einmal aus Google-Sicht besprochen.

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Erste Server für Search Wikia

Bisher machte das Search Wikia-Projekt von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales vor allem durch einen großen Medienhype auf sich aufmerksam, von konkreten technischen Umsetzungen war allerdings kaum etwas zu sehen. Wie Seth Finkelstein berichtet, scheint jetzt aber doch Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Die ersten Server sollen letzte Woche geliefert worden sein, man darf also gespannt sein, ob der versprochene nutzergesteuerte Google-Killer jetzt Wirklichkeit wird.

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Programm der HyperKult 16

Frisch eingetroffen: Das Programm der HyperKult 16, die vom 12.-14.7. in Lüneburg stattfindet. Klingt vielversprechend, für den Bereich Suchmaschinen dürfte wohl vor allem der Vortrag von Peter Haber zum Thema “Phantasmatisches Allwissen im Netz” spannend werden. Sein Text “Das Archiv als Schnittstelle zum Wissen” bietet in dieser Hinsicht jedenfalls eine ganze Reihe interessanter Ansätze.

Das komplette Programm:

Donnerstag 12.7.2006
09:00 Anmeldung
10:30 Eröffnung und Begrüßung
11:00 Medienkonstrukte in Technikutopien, Science-Fiction-Romanen und in Zukunftsszenarien von Computer Scientists: Vorüberlegungen für eine Medienkombinatorik
Hans Dieter Hellige
11:45 “Computer Power to the People!” – Die Versprechungen der Computer-Revolution, 1968-1973
Michael Friedewald
12:30 Mittagspause
14:00 SETUN – Der Kampf des weltweit einzigen trinären Computers gegen die binäre Vorherrschaft
Francis Hunger
14:45 Gordon Pask: Modelle der Selbsorganisation – von “PHYSICAL ANALOGUES TO THE GROWTH OF A CONCEPT” zu “INTERACTION OF ACTORS THEORY”
Michael Putzmann
15:30 Kaffeepause
16:00 Intelligence-, Design- und Happiness-Amplifier – Frühe Visionen zu Computer und Verstärkung
Asli Serbest Mona Mahall
16:45 Autodidakten
Jörg Pflüger
17:30 my – your – our history – ein kollaborativer historischer Rückblick (event lecture)
Zorah Mari Bauer
18:15 5-Minuten-Workshop-VerDichtung
Hartmut Sörgel
18:20 Empfang durch die Universitätsleitung

Freitag 13.7.2006
09:00 Das unendliche Archiv. Phantasmatisches Allwissen im Netz
Peter Haber
09:45 Das ewige Gedächtnis? – Grenzen digitaler Speicher und Probleme der Langzeitarchivierung
Jens-Martin Loebel
10:30 Kaffeepause
11:00 Der Computer als Universalmedium – Zur Diskursgeschichte einer Vision
Noah Holtwiesche
11:45 Audio Production in Change – Online Audio Collaboration as a new Production Method
Fokko Schulz
12:30 Mittagspause
14:00 Kunstaffairen
Kurd Alsleben, Tatjana Beer, Astrid Dahaba, Antje Eske, Matthias Lehnhardt, Heidi Salaverria
14:45 Navigieren im Niemandsland. Geschichten vom hoffnungsvollen Scheitern im Zeitalter des hypermedialen Neolithikums
Harald Kraemer
15:30 Kaffeepause
16:00 NumaRete would count no more! Von Wahrnehmungsmaschinen, biologischen Systemen und dem Vorführeffekt
Jan Müggenburg
16:45 „From Psychedelics to Cybernetics“ – Von Hypertrips, Reality Pilots und dem Netzwerkimaginären
Florian Sprenger
17:30 5-Minuten-Workshop-VerDichtung
Hartmut Sörgel
17:35 HDR-Workshop
Uwe Pirr
20:00 Phantastische Realitäten
Herbert W. Franke liest aus seinem Roman “Flucht zum Mars” und aus der Story-Sammlung “Die Zukunftsmaschine”

Samstag 14.7.2005
09:00 Was wird die Wunschmaschine gewesen sein? Kommunikation via Computer als emanzipatorische Rede
Anna Tuschling
09:45 Der neue Raum des Mediums Computer
Bernd Robben
10:30 Kaffeepause
11:00 Urszenen der Matrix. Die Bilder vom Inneren der Netze
Matthias Bickenbach
11:45 Zur Kulturgeschichte der Zukunft: Internet-Phantasien in den Neunzigern
Jochen Koubek
12:30 5-Minuten-Workshop-VerDichtung
Hartmut Sörgel
13:00 Mitgliederversammlung der Fachgruppe “Computer als Medium” im Fachbereich IuG der GI e.V.

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Web 2.0 korrekt buchstabiert

flickr, Talkr, icebrrg – das Web 2.0 lebt von exotischen Wortschöpfungen. Wohin man gelangt, wenn man die Domains einmal korrekt buchstabiert, zeigt ein schöner Post der selbst ernannten „spelling Nazis“ von mashable.com.

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Big Brother Award für ChoicePoint – was steckt dahinter?

Der internationale Big Brother Award der Datenschutzorganisation Privacy International wurde Anfang Mai an ChoicePoint vergeben. Im Wettbewerb um den Titel „Most invasive company“ hat die Auskunftei damit sogar Google aus dem Rennen geschlagen.

ChoicePoint (Motto „smarter decisions, safer world“) verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen persönlicher Daten in den USA. Durch die Übernahme von über 70 kleineren Firmen hat ChoicePoint seit 1997 eine Datenbank aufgebaut, die über 19 Milliarden öffentliche Dokumente enthält. Auf dieser Grundlage werden nicht nur Vermieter, Vereine und Versicherungen, sondern auch über 7.000 Polizei- und Regierungsorganisationen in aller Welt mit Daten versorgt. Von Kreditauskünften über Führungszeugnisse bis hin zu ausführlichsten Dossiers lässt sich bei ChoicePoint so gut wie jede Information über jeden US-Bürger bestellen. Aufsehen erregte die Firma zuletzt 2005, als sich herausstellte, dass jahrelang sensible persönliche Daten an dubiose Kunden weitergegeben wurden, ohne deren Legitimität angemessen zu prüfen. Die Firmengeschichte bietet aber noch eine Reihe weiterer interessanter Episoden.

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2000 wurde die ChoicePoint-Tochterfirma Database Technologies in Florida mit der Zusammenstellung einer Liste verurteilter Verbrecher beauftragt, die aus dem Wählerregister gestrichen werden sollten. Die Liste war so schlecht recherchiert, dass schätzungsweise 8.000 Menschen, darunter hauptsächlich Afroamerikaner, ihr Wahlrecht verloren – also wesentlich mehr als die 537 Stimmen, die über George W. Bushs Sieg entschieden. Eine nachfolgende Untersuchung kam jedoch zu dem Schluss, dass ChoicePoint nicht für die Panne verantwortlich gemacht werden konnte, da die Wahlbehörden selbst unzureichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten.

Mit der Tochterfirma Bode Labs verfügt ChoicePoint über das größte private kriminaltechnische Labor in den USA. Diese Tatsache erscheint von daher bemerkenswert, da es ChoicePoint-CEO Derek Smith ein besonderes Anliegen ist, perspektivisch auch DNA- und Biometrie-Informationen kommerziellen Akteuren zur Verfügung zu stellen. Er spricht sich sowohl für obligatorische DNA-Test für Ausländer bei der Einreise in die USA aus, als auch dafür, dass Eltern ihre Kinder bei einer DNA-Bank registrieren sollten. Über die Gründe sprach er 2002 in einem Interview mit der Zeitschrift Georgia Trend: „I have this incredible passion to create a safer world. [...] It’s the mothers of this country who are wrestling with threats, who feel their nest has been violated. I want to talk about ways to restore a sense of security to the home, the family and the community.“ Durch DNA und Biometrie will Smith die definitive Verkopplung von Person und dazugehöriger Information erreichen – und damit einen zweiten elften September unmöglich machen.

Im Januar 2006 wurde ChoicePoint von der Federal Trade Commission zu einer Strafe von 10 Mio. Dollar verurteilt – die größte Zivilstrafe in der Geschichte der Kommission. Beanstandet wurde, dass die Sicherheit persönlicher Daten nicht gewährleistet war. Ein New York Times-Artikel beschreibt wie ChoicePoint auf die Kritik reagiert hat. So sollen vor allem die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden sein, indem nun die Legitimität der Kunden genauer überprüft wird und der Abruf von Daten kontinuierlich auf Auffälligkeiten hin untersucht wird. Auch werden die sensibelsten Daten wie die komplette Sozialversicherungsnummer nicht mehr an kleinere Kunden wie Privatdetektive ausgegeben. Außerdem wurde mit der Seite www.choicetrust.com eine Möglichkeit geschaffen, eigene Daten einzusehen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Der Artikel hebt auch die sonstigen Goodwill-Aktivitäten der Firma hervor. Zum Beispiel wird Vereinen angeboten, zu verbilligten Konditionen zu prüfen, ob Job-Bewerber als Sexualstraftäter registriert sind. Außerdem sollen durch die Daten der Firma schon Hunderte vermisster Kinder wieder aufgefunden worden sein. Tenor der Image-Kampagne: Andere Auskunfteien halten es mit der Vertraulichkeit der Daten noch viel schlimmer. Angeblich sollen die meisten Datenschützer in den USA durch die verschiedenen internen Veränderungen mittlerweile milde gestimmt sein. Allerdings spricht die nun erfolgte Vergabe des Big Brother Awards eine andere Sprache.

Interessantes Detail am Rande: Der Konzern ReedElsevier, in der Wissenschaft wohl am ehesten als Verlagsgruppe bekannt, zählt mit seiner Tochtergesellschaft LexisNexis in den USA zu den Hauptkonkurrenten von ChoicePoint im Handel mit personenbezogenen Daten.

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Gratis-Zugang zu Sage-Zeitschriften

Eine gute Gelegenheit für Kommunikationswissenschaftler ohne Uni-Stelle, sich mit hochwertigen PDFs einzudecken, bietet zurzeit Sage: Im Austausch gegen Registrierungsdaten gewährt das Verlagshaus bis Ende Juni Gratis-Zugang zum kompletten Volltext seiner kommunikationswissenschaftlichen Zeitschriften.

Die Registrierungsseite befindet sich hier:
https://online.sagepub.com/cgi/register?registration=FT70496

Die Liste der freigeschalteten Publikationen:

  • Animation
  • British Journalism Review
  • Business Communication Quarterly
  • Communication Research
  • Convergence
  • European Journal of Communication
  • Games and Culture
  • Global Media and Communication
  • The Harvard International Journal of Press/Politics
  • International Communication Gazette
  • Journal of Business Communication
  • Journal of Business and Technical Communication
  • Journal of Communication Inquiry
  • Journal of Creative Communications
  • Journal of Social and Personal Relationships
  • Journalism
  • Management Communication Quarterly
  • Media, Culture & Society
  • New Media & Society
  • Science Communication
  • Television & New Media
  • Visual Communication
  • Written Communication

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Da New Media & Society in der Liste vertreten ist, steht mein dort erschienener Artikel „Power, Reason, Closure: Critical Perspectives on New Media Theory“ (Nr. 3/2005) nun auch zum Gratis-Download bereit.

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Interdisziplinäre Workshop-Tagung interfiction XIV/2007 PATCH_WORK

Schon im neunten Jahr veranstaltet Verena Kuni mit ihren Mitstreitern Karsten Asshauer und Anders Turge Lehr die interdisziplinäre Workshop-Tagung „interfiction“. Mit dem Titel PATCH_WORK ist Verena ihrer Vorliebe für obskure Handarbeits-Mehrdeutigkeiten treu geblieben. Im Workshop wird allerdings nicht gestichelt und ans Zeug geflickt, sondern ganz ernsthaft nach den Arbeitsgrundlagen, Utopien und Realitäten von Kunst-, Kultur- und Wissensproduktion zwischen Commons und DRM gefragt.

Für diese kleine aber feine Veranstaltung ist die interdisziplinäre Ausrichtung kein bloßes Lippenbekenntnis. Verena Kuni versteht es, die unterschiedlichsten Beiträge aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst zu einem stimmigen Ganzen zusammenzubringen. Obendrein findet der Workshop im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest statt. An Augenschmaus und buntem Nachtleben besteht also kein Mangel. Könnte sein, dass den Teilnehmern so manches Mal der Kopf dröhnt angesichts des voll gepackten Programms, aber die ausgewogene Mischung und nicht zuletzt die ausgezeichnete Verpflegung sorgen schon für genügend Durchhaltevermögen.

Interessierte finden hier den Call for paper der interfiction XIV/2007 – Interdisziplinäre Workshop-Tagung im Rahmen des 24. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest. Kassel, 16. – 18. November 2006, Offener Kanal im KulturBahnhof.

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