Archive for the 'Surveillance' Category

Page 2 of 2

Beschwerde gegen Googles DoubleClick-Kauf eingereicht

CNET berichtet, dass die drei Organisationen Electronic Privacy Information Center (EPIC), Center for Digital Democracy (CDD) sowie U.S. Public Interest Research Groups (U.S. PIRG) heute bei der Federal Trade Commission (FTC) eine Beschwerde gegen Googles Kauf von DoubleClick eingereicht haben. Die Übernahme soll so lange unterbunden werden, bis die Praxis der Datensammlung und -speicherung von der Kommission genauer untersucht wurde, DoubleClicks Datensammlungen bereinigt sind und Google klare Bedingungen vorlegt, wie Datenschutz künftig gewährleistet werden kann.

In der Beschwerde heißt es unter anderem:

Google’s proposed acquisition of DoubleClick will give one company access to more information about the Internet activities of consumers than any other company in the world. Moreover, Google will operate with virtually no legal obligation to ensure the privacy, security and accuracy of the personal data that it collects.

Die komplette Beschwerde als PDF gibt es bei EPIC.

Laut Google werden die Daten der beiden Firmen zunächst nicht kombiniert. Eine Zusammenführung in der Zukunft solle zudem nur dazu dienen, doppelte Werbeeinblendungen zu vermeiden. Es scheint allerdings schwer vorstellbar, dass mit einer solchen Datenansammlung nicht mehr geschehen wird.

(via Searchblog)

Technorati Tags: , , , , , , , , ,

Spiel und Terror mit RFID

Obwohl die RFID-Technik noch nicht wirklich ausgereift scheint, enstehen schon jetzt die verschiedensten Szenarien für ihre Verwendung. Mitglieder der Lucid Society spritzen sich die Chips unter die Haut, um Computerspiele im wirklichen Leben zu spielen und die englische Royal Academy befürchtet (pdf), dass Terroristen RFID-Pässe auslesen könnten, um Bomben auf einzelne Personen einzustellen. Was wohl als nächstes ansteht? RFID-Layer in Google Earth, wie sie die Lucid Society für ihr Spiel benutzt, sind da sicherlich ausbaufähig.

(via Surveillance Studies)

Technorati Tags: , Lucid Society, ,

TrackMeNot verschleiert persönliche Suchhistorie

Helen Nissenbaum, die im Suchmaschinenbereich wohl vor allem wegen des zusammen mit Lucas D. Introna verfassten Texts „Shaping the Web. Why the Politics of Search Engines Matters“ bekannt sein dürfte, entwickelt seit einiger Zeit zusammen mit Daniel C. Howe den Firefox-Plugin „TrackMeNot“, der die Aufzeichnung persönlicher Suchhistorien durch Suchmaschinen erschwert. Das Programm sendet in bestimmten Intervallen zufällig generierte Anfragen an Suchmaschinen und verhindert auf diese Weise die Zusammenstellung kategorisierbarer Profile. Die Intervalle der Anfragen sowie die Suchmaschinen, an die sie gerichtet werden, lassen sich individuell einstellen.

Mit der verwendeten Verschleierungstaktik („Masking Move“) beziehen sich die Entwickler explizit auf Gary T. Marx „A Tack in the Shoe: Neutralizing and Resisting the New Surveillance“. In diesem auch sonst sehr interessanten Text fasst Marx seine empirischen Untersuchungen zum Umgang mit Überwachungstechnologien in elf Kategorien von Neutralisierungsstrategien zusammen. Was zunächst nach Agententhriller klingt, erweist sich beim näheren Hinsehen als Aufzählung relativ bekannter und alltäglicher Formen der Überwachungsvermeidung (wie z.B. Warnungen vor Radarfallen). Dadurch wird Marx’ These, dass Pläne zur völligen Überwachung vorerst noch durch eine Vielfalt lokaler Gegenstrategien entschärft werden, sehr plausibel.

Technorati Tags: , , , , , , , , ,

Google anonymisiert Nutzerdaten früher

Laut einer Aktualisierung der Datenschutzpolitik (pdf) wird Google Serverlogs in Zukunft nur noch 18-24 Monate speichern, statt wie bisher unendlich lange. Nach diesem Zeitraum sollen zumindest die IP-Adresse und Cookie-Informationen anonymisiert werden, die Suchanfragen selbst können aber auch noch länger aufbewahrt werden. Google hat diese Maßnahmen eingeführt, nachdem mit verschiedenen internationalen „privacy stakeholders“, wie z.B. der norwegischen Datenschutzbehörde, gesprochen wurde.

Wer seine Daten von Anfang an anonymisiert wissen möchte, ist allerdings bei der niederländischen Meta-Suchmaschine Ixquick besser aufgehoben. Sie sucht unter anderem bei Yahoo, AltaVista, Alltheweb und Wikipedia und verspricht, Nutzerdaten innerhalb von 48 Stunden zu löschen.

Wer seine Daten lieber direkt dem Staat zukommen lassen möchte, dem kann bei Patriot Search geholfen werden. (Via Google Blogoscoped)

Technorati Tags: , , , ,

Frischer Bericht zu Semantic Web, Identity Management, RFID etc.

Ein aktueller UNESCO-Bericht fasst ethische Fragen im Zusammenhang mit neuen Technologien zusammen. Mit den Themen Semantic Web, digitales Identity Management, Biometrie, RFID, Sensoren, Location-Based Services, Mesh Networking und Grid Computing greift er erstaunlich aktuelle Entwicklungen auf.

Der Bericht erklärt jeweils kurz die zugrunde liegende Technik der verschiedenen Bereiche und stellt die wesentlichen Vor- und Nachteile gegenüber. Interessant ist z.B. die Bewertung des Semantic Web: Die Möglichkeit, sich durch Metadaten völlig personalisierte Info-Inseln zu schaffen, wird als Entwicklung betrachtet, die einer allgemeineren Internet-Öffentlichkeit schaden könnte. Zudem sieht der Bericht die Netzneutralität durch das Semantic Web gefährdet, da es ISPs und Suchmaschinen erlaubt, auf der Basis von Metadaten verschiedene Inhaltstypen zu identifizieren und unterschiedlich zu behandeln.

Hier wäre allerdings zu fragen (was der Bericht zugegebenermaßen auch tut), ob diese Entwicklungen nicht auch ohne Semantic Web ziemlich wahrscheinlich sind. Von einer allgemeinen Netzöffentlichkeit, die sich nicht in thematischen Nischen abspielt, ist trotz Blogosphäre ja heute schon kaum etwas zu bemerken. Dwayne Winseck hat zudem schon 2002 darauf hingewiesen, dass ISPs Daten keineswegs neutral behandeln – er interpretiert die unterschiedlichen Up- und Downloadgeschwindigkeiten als Beeinflussung des Nutzerverhaltens hin zu mehr Konsum und weniger Eigenaktivität. Die aktuellen Bestrebungen von Cisco, sich neben dem Router-Kerngeschäft verstärkt auf datenintensive Inhalte wie VoIP oder Videokonferenzen zu konzentrieren, dürften mit Netzneutralität ebenfalls wenig zu tun haben. Die hierfür benötigten Metadaten stehen Cisco allerdings auch ohne Semantic Web zur Verfügung.

Insgesamt eignet sich der Bericht sehr gut als Einführung zu den oben genannten Themen, auch wenn man sich angesichts der Menge an Wikipedia-Verweisen gelegentlich Fragen über die Tiefe der Recherche stellen kann. Die Themen werden gut lesbar zusammengefasst, Verbindungen zwischen den Bereichen werden aufgezeigt und die jeweiligen Verweise bieten eine gute Basis für weitergehende Recherchen.

PS: Interessanterweise zeigt Google gerade jetzt erste Anzeichen, ihre bisherige Unterstützung der Netzneutralität aufzugeben.

Technorati Tags: , , , , , , ,

Filme zum Thema Google und Überwachung

Der Bachelor-Studiengang Digital Media der Hochschule Ulm bringt in letzter Zeit richtig interessante Dinge hervor. Nachdem die Flash-Animation Panopti.com von Johannes Widmer letztes Jahr auf sehr intelligente Art über die zunehmenden Überwachungsmöglichkeiten im Alltag informierte, decken nun Ozan Halici & Jürgen Mayer in ihrer Abschlussarbeit den Masterplan hinter Google auf. Der Film ist schön gemacht, manche Aussagen sind allerdings etwas grobschlächtig geraten. Dass auch Google das “ganze bekannte Web” noch lange nicht abdeckt und dass wegen der früheren Verbindung eines Mitarbeiters zur CIA noch keine schwarzen Helikopter unterwegs sind, sind Feinheiten, die im Schwung der Geschichte wohl nicht unterzubringen waren. Der Film erinnert an EPIC 2015 von Robin Sloan und Matt Thompson, wobei die grafischen Umsetzungen bei Halici und Mayer eleganter sind.