Sehr schön gemachte Kampagne gegen Überwachung:
[via Surveillance Studies]
Technorati Tags: Surveillance, Überwachung, ACLU
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Eine spannende Veranstaltung Anfang November in Hamburg:
“Moderne Gesellschaften werden zusehends zu Systemen, die „durch unablässige Kontrolle und unmittelbare Kommunikation“ funktionieren“ (Gilles Deleuze). Diese Entwicklung weist ebenso politische, ökonomische, kulturelle wie technisch-mediale Aspekte auf. Nicht zuletzt stellt sie vor Probleme des „Virtuellen“: Wie lassen sich Fluchtlinien, Techniken und Stratageme denken, die den Techniken der Kontrolle und Selbstkontrolle entgehen – politisch, ökonomisch, kulturell und künstlerisch?
Das internationale Symposion Virtualität und Kontrolle trägt ebenso wissenschaftlichen wie künstlerischen Charakter. Neben Vorträgen wird es eine Szenische Lesung im Nachtasyl des Hamburger Thalia Theaters geben, werden Fragen des Films erörtert, beteiligen sich Künstlerinnen und Künstler mit Installationen und Aktionen.”
Mehr dazu bei hsozkult
[via surveillance studies]
Technorati Tags: Surveillance, Kontrollgesellschaft, Deleuze, Foucault, Panopticon
Gerade geht mein erster Tag beim Workshop Values in Computer Information Systems Design an der Santa Clara University vorbei. Nachdem wir den halben Tag über Klassifizierung, Datenbanken und Identität diskutiert haben und dazu extrem spannenden Input von Geoffrey Bowker, Helen Nissenbaum und Susan Leigh Star bekommen haben, hat unser Team gerade unsere Ideen zum Projektthema “data bodies” vorgestellt. Umso erstaunlicher, festzustellen, dass genau zu dieser Zeit ein Workshop in Wien fast dieselben Fragen aufwirft:
Die Seite zum Workshop “Verdaten. Klassifizieren. Archivieren.Identifizierung von Personen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive” enthält interessante Abstracts. Hoffentlich bekommt man nach dem Workshop noch mehr zu lesen. Noch besser wäre wahrscheinlich eine Live-Schaltung zwischen Wien und Santa Clara gewesen, aber hier wird sonntags nicht gearbeitet: morgen steht erst einmal ein Wander-Trip in die kalifornischen Berge auf dem Programm.
Technorati Tags: verdatung, klassifizierung, datenschutz, surveillance
Jordan Crandall recently posted some interesting notes on nettime from his presentation at the “Everyday Life of Surveillance” seminar in Durham.
Crandall talks about the “tracking apparatus” – new methods of data collection, analysis and prediction which the canonical concepts of the panopticon and the carceral fail to comprehend. Instead, he develops his concept of the assemblage, which encompasses a new modality of power:
It is not “control” as such: When a degree of stabilization is reached (as enacted in practice), or a certain materialization threshold crossed, effects can be produced. In this way actors can become functional, operational. But not necessarily. To act as an agent of control, there is a balance to be achieved between stabilization and destabilization. A certain degree of reliability, but not rigidity. It is a fine line, a precarious zone.
Crandall develops some interesting thoughts on the nature of tracking and prediction and on the way these phenomena can be understood – not merely in terms of surveillance but also as a way to “guide disorder” by means of “statistical inclinations”. In my view, the text offers a range of viable options for surveillance studies to move forward into more organisational, dispersed and networked conceptual frameworks.
One thing that left me wondering, though, is if he actually endorses Chris Anderson’s view that scientific method has become obsolete. (Which has been thoroughly and rightfully criticised by Bernhard Rieder.) On the one hand, he affirmatively quotes Anderson on data mining: “We can analyze the data without hypotheses about what it might show. We can throw the numbers into the biggest computing clusters the world has ever seen and let statistical algorithms find patterns where science cannot.” On the other hand he says: “When we track — when we study how something or someone is moving in order to predict its future location or orientation — we subject everything to the classifying schemes available to us. We fasten our objects (and subjects) onto a classifying grid or database-driven identity assessment.”
Interesting read, in any case.
Technorati Tags: tracking, prediction, apparatus, assemblage, surveillance, Jordan Crandall
Conference, June 18-20 of 2008, The Hague
“Information technology plays an increasingly important role in society and in human lives. Identity Management Technologies (e.g. biometrics, profiling, surveillance), in combination with a variety of identification procedures and personalized services are ubiquitous and pervasive. This calls for careful consideration and design of collecting, mining, storing and use of personal information.
Access, rights, responsibilities, benefits, burdens and risks are apportioned on the basis of identities of individuals. These identities are formed on the basis of personal data collected and stored and manipulated in databases. This raises ethical questions, such as obvious privacy issues, but also a host of identity related moral questions concerning (the consequences of) erroneous classifications and the limits of our capacity for self-presentation and self definition.
Which conceptions of identity are used when addressing ethical issues regarding information technology? How can the concepts of ‘identity’ and ‘identification’ be understood from a philosophical perspective when discussing morally problematic developments in information technology? What are the philosophical semantics pertaining to reference and identification which may help clarify ambiguities and ethical issues? How can we arrive at a normatively sound conception of personal identity as a starting point for the study of the ethical aspects of the (information) technology that is shaping our lives? This conference aims to discuss the theme of ‘identity’ in light of new (information) technology.”
More information here.
Technorati Tags: Identity Management, biometrics, profiling, surveillance, information technology, Ethics
Diesen Sommer war im Zusammenhang mit BKA-Ermittlungen mehrfach von einer Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden mit Google die Rede. Im Telepolis-Artikel „Vorsicht bei der Internetrecherche“ heißt es zum Beispiel, dass Suchanfragen zusammen mit anderen Indizien als Grund für eine Hausdurchsuchung reichen können. Auch der taz-Artikel „Kommissar Google jagt Terroristen“ erweckt zunächst den Eindruck, Google hätte das BKA aktiv beim Aufspüren verdächtiger Suchanfragen unterstützt. Continue reading ‘Gibt es Kommissar Google?’
Soeben ist ein neuer Beitrag von mir mit dem Titel “‘Think of it first as an advertising system’: Personalisierte Online-Suche als Datenlieferant des Marketings” (pdf) in der Online-Zeitschrift kommunikation@gesellschaft erschienen. Der Text befasst sich mit der Frage, wie die Nutzerdaten, die bei der personalisierten Suche erhoben werden, für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden.
Etwas ausführlicher:
Suchmaschinen gehören seit langem zu den wichtigsten Werbeträgern im Netz und es wird mittlerweile offen zugestanden, dass die gezielte Vermarktung von Werbeplätzen sich zur Kernaufgabe der Suchmaschinenbetreiber entwickelt hat. Um dem Ruf nach relevanteren Suchergebnissen nachkommen zu können, binden neue Formen der personalisierten Suche immer weitere Bereiche des Nutzerverhaltens in den Suchprozess ein, gleichzeitig schaffen die gesammelten Daten aber auch die Grundlage für eine noch engere Verzahnung ökonomischer Interessen mit dem persönlichen Nutzungskontext. Mit Bezug auf aktuelle Theoriebildung aus den „Surveillance studies“ diskutiert der Beitrag die Rolle der personalisierten Suche als Bindeglied zwischen Nutzer und Werbung. Sowohl die Entwicklung der Online-Werbung als auch die technischen Grundlagen der personalisierten Suche werden skizziert, um schließlich an zwei konkreten Beispielen zu erläutern, welche Daten bei der personalisierten Suche erhoben werden und wie diese zu Werbezwecken verwendet werden können. Dabei wird deutlich, dass die zunächst zur Verbesserung der Suchergebnisse erhobenen Nutzerinformationen einem immer stärkeren kommerziellen Verwertungsdruck ausgesetzt sind.
Diskutiert werden kann der Beitrag auch im Blog der Zeitschrift.
Technorati Tags: Suchmaschinen, Personalisierung, Überwachung, Marketing, Swickis, Eurekster, Watson, Intellext, YahooMyWeb, Google, Suchprotokoll
Der internationale Big Brother Award der Datenschutzorganisation Privacy International wurde Anfang Mai an ChoicePoint vergeben. Im Wettbewerb um den Titel „Most invasive company“ hat die Auskunftei damit sogar Google aus dem Rennen geschlagen.
ChoicePoint (Motto „smarter decisions, safer world“) verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen persönlicher Daten in den USA. Durch die Übernahme von über 70 kleineren Firmen hat ChoicePoint seit 1997 eine Datenbank aufgebaut, die über 19 Milliarden öffentliche Dokumente enthält. Auf dieser Grundlage werden nicht nur Vermieter, Vereine und Versicherungen, sondern auch über 7.000 Polizei- und Regierungsorganisationen in aller Welt mit Daten versorgt. Von Kreditauskünften über Führungszeugnisse bis hin zu ausführlichsten Dossiers lässt sich bei ChoicePoint so gut wie jede Information über jeden US-Bürger bestellen. Aufsehen erregte die Firma zuletzt 2005, als sich herausstellte, dass jahrelang sensible persönliche Daten an dubiose Kunden weitergegeben wurden, ohne deren Legitimität angemessen zu prüfen. Die Firmengeschichte bietet aber noch eine Reihe weiterer interessanter Episoden.
Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2000 wurde die ChoicePoint-Tochterfirma Database Technologies in Florida mit der Zusammenstellung einer Liste verurteilter Verbrecher beauftragt, die aus dem Wählerregister gestrichen werden sollten. Die Liste war so schlecht recherchiert, dass schätzungsweise 8.000 Menschen, darunter hauptsächlich Afroamerikaner, ihr Wahlrecht verloren – also wesentlich mehr als die 537 Stimmen, die über George W. Bushs Sieg entschieden. Eine nachfolgende Untersuchung kam jedoch zu dem Schluss, dass ChoicePoint nicht für die Panne verantwortlich gemacht werden konnte, da die Wahlbehörden selbst unzureichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten.
Mit der Tochterfirma Bode Labs verfügt ChoicePoint über das größte private kriminaltechnische Labor in den USA. Diese Tatsache erscheint von daher bemerkenswert, da es ChoicePoint-CEO Derek Smith ein besonderes Anliegen ist, perspektivisch auch DNA- und Biometrie-Informationen kommerziellen Akteuren zur Verfügung zu stellen. Er spricht sich sowohl für obligatorische DNA-Test für Ausländer bei der Einreise in die USA aus, als auch dafür, dass Eltern ihre Kinder bei einer DNA-Bank registrieren sollten. Über die Gründe sprach er 2002 in einem Interview mit der Zeitschrift Georgia Trend: „I have this incredible passion to create a safer world. […] It’s the mothers of this country who are wrestling with threats, who feel their nest has been violated. I want to talk about ways to restore a sense of security to the home, the family and the community.“ Durch DNA und Biometrie will Smith die definitive Verkopplung von Person und dazugehöriger Information erreichen – und damit einen zweiten elften September unmöglich machen.
Im Januar 2006 wurde ChoicePoint von der Federal Trade Commission zu einer Strafe von 10 Mio. Dollar verurteilt – die größte Zivilstrafe in der Geschichte der Kommission. Beanstandet wurde, dass die Sicherheit persönlicher Daten nicht gewährleistet war. Ein New York Times-Artikel beschreibt wie ChoicePoint auf die Kritik reagiert hat. So sollen vor allem die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden sein, indem nun die Legitimität der Kunden genauer überprüft wird und der Abruf von Daten kontinuierlich auf Auffälligkeiten hin untersucht wird. Auch werden die sensibelsten Daten wie die komplette Sozialversicherungsnummer nicht mehr an kleinere Kunden wie Privatdetektive ausgegeben. Außerdem wurde mit der Seite www.choicetrust.com eine Möglichkeit geschaffen, eigene Daten einzusehen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Der Artikel hebt auch die sonstigen Goodwill-Aktivitäten der Firma hervor. Zum Beispiel wird Vereinen angeboten, zu verbilligten Konditionen zu prüfen, ob Job-Bewerber als Sexualstraftäter registriert sind. Außerdem sollen durch die Daten der Firma schon Hunderte vermisster Kinder wieder aufgefunden worden sein. Tenor der Image-Kampagne: Andere Auskunfteien halten es mit der Vertraulichkeit der Daten noch viel schlimmer. Angeblich sollen die meisten Datenschützer in den USA durch die verschiedenen internen Veränderungen mittlerweile milde gestimmt sein. Allerdings spricht die nun erfolgte Vergabe des Big Brother Awards eine andere Sprache.
Interessantes Detail am Rande: Der Konzern ReedElsevier, in der Wissenschaft wohl am ehesten als Verlagsgruppe bekannt, zählt mit seiner Tochtergesellschaft LexisNexis in den USA zu den Hauptkonkurrenten von ChoicePoint im Handel mit personenbezogenen Daten.
Technorati Tags: Big Brother Award, Privacy International, ChoicePoint, Database Technologies, Bode Labs, DNA, Biometrie, ReedElsevier, LexisNexis, Surveillance, Überwachung
Oft genug vermisst man seitens der Entwickler und Naturwissenschaftler den nötigen Abstand zu den eingesetzten Technologien. Umso erfreulicher sind dann kritische Projekte wie der 2006 gegründete Arbeitskreis „Überwachung“ im Fachbereich Informatik und Gesellschaft der GI.
In der Ankündigung in eigener Sache heißt es:
Technische Entwicklungen laufen oft lange Zeit unauffällig ab, bis sie schlagartig und mit Macht sichtbar werden. So auch potentielle Überwachungstechnologien von Biometrie und Data Mining über Videoüberwachung bis RFID: In den 80er und 90er Jahren nur in einigen Nischen vertreten, werden sie in jüngster Zeit als Lösung für viele aktuelle Probleme propagiert und implementiert.
Wir sehen diese Entwicklung als Herausforderung, die eingesetzten Technologien kritisch zu beleuchten, um prinzipielle Beschränkungen und Risiken zu identifizieren. Diese Aufgabe benötigt Zusammenarbeit verschiedenster Fachbereiche, sowohl innerhalb der Informatik als auch darüber hinaus. Wir planen deshalb in diesem Arbeitskreis eine Bestandsaufnahme der Situation auf technischer und juristischer Ebene. Wir möchten eine aktive interdisziplinäre Arbeitsgruppe bilden.
Das Gründungstreffen des GI-Arbeitskreises „Überwachung“ findet am Donnerstag, den 26. April 2007, ab 11.00 Uhr in Berlin-Adlershof statt. Interessierte treffen sich in der Rudower Chaussee 25, 12489 Berlin, Haus 3, Raum 408. Um vorherige Anmeldung bei Constanze Kurz (kurz (at) informatik.hu-berlin.de) wird gebeten.
Der Arbeitskreis findet im Übrigen im Kontext der GI-Tagung „Kontrolle durch Transparenz - Transparenz durch Kontrolle“, Berlin-Adlershof, 27.-29. April 2007 statt. Diese breiter angelegte Veranstaltung des Fachbereichs Informatik und Gesellschaft thematisiert aktuelle Umbrüche der Informationsgesellschaft, die in acht Workshops bearbeitet werden sollen. Für die Teilnehmenden und alle, die die Konferenz nicht selbst besuchen, steht bereits vorab ein Tagungs-Wiki mit Materialien zu den Workshops zur Verfügung. Eine Transparenz der GI-Tagung ist also schon mal gewährleistet.
Technorati Tags: Überwachung, Informatik, Gesellschaft, GI, Biometrie, Data Mining, Videoüberwachung, RFID
CNET berichtet, dass die drei Organisationen Electronic Privacy Information Center (EPIC), Center for Digital Democracy (CDD) sowie U.S. Public Interest Research Groups (U.S. PIRG) heute bei der Federal Trade Commission (FTC) eine Beschwerde gegen Googles Kauf von DoubleClick eingereicht haben. Die Übernahme soll so lange unterbunden werden, bis die Praxis der Datensammlung und -speicherung von der Kommission genauer untersucht wurde, DoubleClicks Datensammlungen bereinigt sind und Google klare Bedingungen vorlegt, wie Datenschutz künftig gewährleistet werden kann.
In der Beschwerde heißt es unter anderem:
Google’s proposed acquisition of DoubleClick will give one company access to more information about the Internet activities of consumers than any other company in the world. Moreover, Google will operate with virtually no legal obligation to ensure the privacy, security and accuracy of the personal data that it collects.
Die komplette Beschwerde als PDF gibt es bei EPIC.
Laut Google werden die Daten der beiden Firmen zunächst nicht kombiniert. Eine Zusammenführung in der Zukunft solle zudem nur dazu dienen, doppelte Werbeeinblendungen zu vermeiden. Es scheint allerdings schwer vorstellbar, dass mit einer solchen Datenansammlung nicht mehr geschehen wird.
(via Searchblog)
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