Theseus-Premiere in Köln

Angekündigt als “Premiere” und “Enthüllung”, sollte Theseus, das „Forschungsprogramm für eine neue internetbasierte Wissensinfrastruktur“ heute in Köln im Rahmen der Musikmesse c/o pop erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Allzu Revolutionäres war bei einer anberaumten Vortragszeit von 15 Minuten sicherlich nicht zu erwarten, aber etwas mehr Informationen hätten es dann doch sein dürfen.

Die Präsentation von Stefan Wess (empolis) bestand im Prinzip aus einer Powerpoint-Version der Theseus-Website, angereichert mit Stefan Wess (empolis)einigen netten Bildchen. Immerhin entschuldigte Wess sich schon im Voraus dafür, dass er die hohen Erwartungen an diese “Premiere” wohl kaum erfüllen könne. Da es sich bei Theseus um ein Forschungsprogramm zur Entwicklung von Basistechnologien handele, ließe sich halt kein Schalter umlegen und keine neue Software präsentieren. Einige Details zur Zukunft des Projekts gab es am Ende dann doch: Im nächsten Jahr sind Wettbewerbe für Studenten, Open Source-Gemeinde und Unternehmen geplant. Und im Oktober/November soll das Projekt dann ein weiteres Mal “offiziell” vorgestellt werden – diesmal bei einer Konferenz in Berlin.

Die Website zu Theseus bietet mittlerweile allerdings schon eine ganze Menge von Informationen. Als Schwerpunkte werden u.a. genannt: Web 2.0 + Semantik = Web 3.0die automatisierte Generierung von Metadaten, die semantische Verarbeitung dieser Dateien, inklusive automatisierte Ontologien-Entwicklung, und neue Benutzeroberfächen. Also im Prinzip die Schaffung der Grundlagen für das Semantische Web, wie sie schon seit vielen Jahren im Gespräch sind. Falsche Bescheidenheit wird den Koordinatoren niemand vorwerfen können, ist doch auf der Website schon vom „Internet der nächsten Generation“, nach der Formel Web 3.0 = Web 2.0 + Semantik, die Rede. Auch Vannevar Bushs Memex soll anscheinend nun Wirklichkeit werden – ein Unterprojekt von Theseus trägt eben diesen Namen.

Einer Enthüllung näher kam da schon die Demonstration einer der Theseus zugrundeliegenden Technologien beim acatech-Symposium in Berlin im Juni. Wolfgang Wahlster präsentierte dort SmartWeb, eine Suchmaschine, die vorhandene Online-Dateien automatisch auf semantische Informationen auswerten können soll. Und tatsächlich: In einem kleinen Filmchen präsentierte die Suchmaschine auf eine recht komplexe natürlichsprachliche Frage eine korrekte Antwort. Allerdings war es auch eine Frage mit einer eindeutig korrekten Antwort, womit sich solche Systeme ja immer wunderbar demonstrieren lassen.

Von praktischem Nutzen für Endanwender erscheint innerhalb des Theseus-Projekts vor allem der genannte Memex, ein Werkzeug, dass Nutzern bei der Organisation ihrer Dateien helfen soll. Störend wirkt dabei nur, dass die Theseus-Texte alle formuliert sind, als würde in diesen Bereichen völlige Pionierarbeit geleistet.

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About Theo Röhle

Theo Röhle ist Promotionsstudent im Fach Medienkultur an der Universität Hamburg. Sein Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Dispositiv Google“ geht der Frage nach, inwiefern bisherige medienwissenschaftliche Machtkonzepte im Fall der Suchmaschinen ihre Gültigkeit beibehalten.