Archive for May, 2007

Web 2.0 korrekt buchstabiert

flickr, Talkr, icebrrg – das Web 2.0 lebt von exotischen Wortschöpfungen. Wohin man gelangt, wenn man die Domains einmal korrekt buchstabiert, zeigt ein schöner Post der selbst ernannten „spelling Nazis“ von mashable.com.

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Big Brother Award für ChoicePoint – was steckt dahinter?

Der internationale Big Brother Award der Datenschutzorganisation Privacy International wurde Anfang Mai an ChoicePoint vergeben. Im Wettbewerb um den Titel „Most invasive company“ hat die Auskunftei damit sogar Google aus dem Rennen geschlagen.

ChoicePoint (Motto „smarter decisions, safer world“) verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen persönlicher Daten in den USA. Durch die Übernahme von über 70 kleineren Firmen hat ChoicePoint seit 1997 eine Datenbank aufgebaut, die über 19 Milliarden öffentliche Dokumente enthält. Auf dieser Grundlage werden nicht nur Vermieter, Vereine und Versicherungen, sondern auch über 7.000 Polizei- und Regierungsorganisationen in aller Welt mit Daten versorgt. Von Kreditauskünften über Führungszeugnisse bis hin zu ausführlichsten Dossiers lässt sich bei ChoicePoint so gut wie jede Information über jeden US-Bürger bestellen. Aufsehen erregte die Firma zuletzt 2005, als sich herausstellte, dass jahrelang sensible persönliche Daten an dubiose Kunden weitergegeben wurden, ohne deren Legitimität angemessen zu prüfen. Die Firmengeschichte bietet aber noch eine Reihe weiterer interessanter Episoden.

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2000 wurde die ChoicePoint-Tochterfirma Database Technologies in Florida mit der Zusammenstellung einer Liste verurteilter Verbrecher beauftragt, die aus dem Wählerregister gestrichen werden sollten. Die Liste war so schlecht recherchiert, dass schätzungsweise 8.000 Menschen, darunter hauptsächlich Afroamerikaner, ihr Wahlrecht verloren – also wesentlich mehr als die 537 Stimmen, die über George W. Bushs Sieg entschieden. Eine nachfolgende Untersuchung kam jedoch zu dem Schluss, dass ChoicePoint nicht für die Panne verantwortlich gemacht werden konnte, da die Wahlbehörden selbst unzureichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten.

Mit der Tochterfirma Bode Labs verfügt ChoicePoint über das größte private kriminaltechnische Labor in den USA. Diese Tatsache erscheint von daher bemerkenswert, da es ChoicePoint-CEO Derek Smith ein besonderes Anliegen ist, perspektivisch auch DNA- und Biometrie-Informationen kommerziellen Akteuren zur Verfügung zu stellen. Er spricht sich sowohl für obligatorische DNA-Test für Ausländer bei der Einreise in die USA aus, als auch dafür, dass Eltern ihre Kinder bei einer DNA-Bank registrieren sollten. Über die Gründe sprach er 2002 in einem Interview mit der Zeitschrift Georgia Trend: „I have this incredible passion to create a safer world. […] It’s the mothers of this country who are wrestling with threats, who feel their nest has been violated. I want to talk about ways to restore a sense of security to the home, the family and the community.“ Durch DNA und Biometrie will Smith die definitive Verkopplung von Person und dazugehöriger Information erreichen – und damit einen zweiten elften September unmöglich machen.

Im Januar 2006 wurde ChoicePoint von der Federal Trade Commission zu einer Strafe von 10 Mio. Dollar verurteilt – die größte Zivilstrafe in der Geschichte der Kommission. Beanstandet wurde, dass die Sicherheit persönlicher Daten nicht gewährleistet war. Ein New York Times-Artikel beschreibt wie ChoicePoint auf die Kritik reagiert hat. So sollen vor allem die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden sein, indem nun die Legitimität der Kunden genauer überprüft wird und der Abruf von Daten kontinuierlich auf Auffälligkeiten hin untersucht wird. Auch werden die sensibelsten Daten wie die komplette Sozialversicherungsnummer nicht mehr an kleinere Kunden wie Privatdetektive ausgegeben. Außerdem wurde mit der Seite www.choicetrust.com eine Möglichkeit geschaffen, eigene Daten einzusehen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Der Artikel hebt auch die sonstigen Goodwill-Aktivitäten der Firma hervor. Zum Beispiel wird Vereinen angeboten, zu verbilligten Konditionen zu prüfen, ob Job-Bewerber als Sexualstraftäter registriert sind. Außerdem sollen durch die Daten der Firma schon Hunderte vermisster Kinder wieder aufgefunden worden sein. Tenor der Image-Kampagne: Andere Auskunfteien halten es mit der Vertraulichkeit der Daten noch viel schlimmer. Angeblich sollen die meisten Datenschützer in den USA durch die verschiedenen internen Veränderungen mittlerweile milde gestimmt sein. Allerdings spricht die nun erfolgte Vergabe des Big Brother Awards eine andere Sprache.

Interessantes Detail am Rande: Der Konzern ReedElsevier, in der Wissenschaft wohl am ehesten als Verlagsgruppe bekannt, zählt mit seiner Tochtergesellschaft LexisNexis in den USA zu den Hauptkonkurrenten von ChoicePoint im Handel mit personenbezogenen Daten.

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Gratis-Zugang zu Sage-Zeitschriften

Eine gute Gelegenheit für Kommunikationswissenschaftler ohne Uni-Stelle, sich mit hochwertigen PDFs einzudecken, bietet zurzeit Sage: Im Austausch gegen Registrierungsdaten gewährt das Verlagshaus bis Ende Juni Gratis-Zugang zum kompletten Volltext seiner kommunikationswissenschaftlichen Zeitschriften.

Die Registrierungsseite befindet sich hier:
https://online.sagepub.com/cgi/register?registration=FT70496

Die Liste der freigeschalteten Publikationen:

  • Animation
  • British Journalism Review
  • Business Communication Quarterly
  • Communication Research
  • Convergence
  • European Journal of Communication
  • Games and Culture
  • Global Media and Communication
  • The Harvard International Journal of Press/Politics
  • International Communication Gazette
  • Journal of Business Communication
  • Journal of Business and Technical Communication
  • Journal of Communication Inquiry
  • Journal of Creative Communications
  • Journal of Social and Personal Relationships
  • Journalism
  • Management Communication Quarterly
  • Media, Culture & Society
  • New Media & Society
  • Science Communication
  • Television & New Media
  • Visual Communication
  • Written Communication

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Da New Media & Society in der Liste vertreten ist, steht mein dort erschienener Artikel „Power, Reason, Closure: Critical Perspectives on New Media Theory“ (Nr. 3/2005) nun auch zum Gratis-Download bereit.

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Interdisziplinäre Workshop-Tagung interfiction XIV/2007 PATCH_WORK

Schon im neunten Jahr veranstaltet Verena Kuni mit ihren Mitstreitern Karsten Asshauer und Anders Turge Lehr die interdisziplinäre Workshop-Tagung „interfiction“. Mit dem Titel PATCH_WORK ist Verena ihrer Vorliebe für obskure Handarbeits-Mehrdeutigkeiten treu geblieben. Im Workshop wird allerdings nicht gestichelt und ans Zeug geflickt, sondern ganz ernsthaft nach den Arbeitsgrundlagen, Utopien und Realitäten von Kunst-, Kultur- und Wissensproduktion zwischen Commons und DRM gefragt.

Für diese kleine aber feine Veranstaltung ist die interdisziplinäre Ausrichtung kein bloßes Lippenbekenntnis. Verena Kuni versteht es, die unterschiedlichsten Beiträge aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst zu einem stimmigen Ganzen zusammenzubringen. Obendrein findet der Workshop im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest statt. An Augenschmaus und buntem Nachtleben besteht also kein Mangel. Könnte sein, dass den Teilnehmern so manches Mal der Kopf dröhnt angesichts des voll gepackten Programms, aber die ausgewogene Mischung und nicht zuletzt die ausgezeichnete Verpflegung sorgen schon für genügend Durchhaltevermögen.

Interessierte finden hier den Call for paper der interfiction XIV/2007 - Interdisziplinäre Workshop-Tagung im Rahmen des 24. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest. Kassel, 16. - 18. November 2006, Offener Kanal im KulturBahnhof.

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Guerilla-Marketing auf dem Hol(t)zweg

Bis gestern war mir noch gar nicht bewusst, dass das vielumschriebene studiVZ einen jüngeren Ableger in Form des schülerVZ bekommen hatte. Angeblich sind in dieser Community schon vor dem offiziellen Start im Sommer 300.000 Schülerinnen und Schüler aktiv. Darauf aufmerksam machte ein mit pinken Logos vollgesprühter Bürgersteig vor einen Schuleingang in der Nähe. Ist Holtzbrinck jetzt unter die Sprayer gegangen? Ein Blick auf die Website des schülerVZ klärt auf: Anscheinend ist nur die anhaltende Trockenheit daran schuld, dass das „umweltverträgliche Kreidespray“ noch nicht vom Regen abgewaschen worden ist. Die Sprüherei war allerdings Teil einer weitaus größeren Aktion, bei der insgesamt 3 Mio. pinke Post-its an über 1000 Schulen verklebt wurden. Wer jetzt meint, man sollte öffentliche Gebäude, in denen junge Menschen sich gezwungenermaßen den ganzen Tag aufhalten, lieber mit Werbung verschonen, verkennt die Intentionen des schülerVZ. Laut einer Pressemitteilung handelte es sich dabei nämlich gar nicht um Werbung: „schülerVZ möchte durch diese Aktion den Schülern auch über die Vernetzung am Computer hinaus als Sprachrohr dienen und sich für seine Mitglieder einsetzen.“ Kruder lässt sich Marketing wohl kaum gestalten – von den Losungen des Guerilla-Marketings „Unberechenbar, niemals müde oder träge“ ist hier jedenfalls nicht viel zu spüren. Wie die Blogbar berichtete, sind schon bald weitere solcher Aktionen geplant.

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Programm des zweiten “Kongress Kulturwissenschaftliche Technikforschung” ist online

Das Programm des zweiten “Kongress Kulturwissenschaftliche Technikforschung” vom 1.-3. Juni 2007 ist online einsehbar und als pdf-Datei erhältlich. Veranstalter ist das Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung.

Die Veranstalter schreiben:

Der Kongress widmet sich einem breiten Zugang zur Technik im Alltag. Beleuchtet wird Technik als Bestandteil biographischer Erfahrung und die gesellschaftliche Verhandlung von Technik und Technikentwicklung, Sprechen über Technik und Technik und Performanz, Technisierung und Technizität des Alltags, die historische Perspektive auf den technik-kulturellen Wandel in der Moderne, ein erfahrungsgeschichtlicher Zugang zur Technik sowie ethnographische Annäherungen/Forschungen/Analysen zu Technik und Alltag.

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