CfP “Das neue Netz?”

Jan Schmidt und Florian L. Mayer von der Bamberger Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” organisieren vom 20. bis 22. September einen Workshop zum Thema “Das neue Netz? Bestandsaufnahme und Perspektiven”. Ziel des Workshops ist es, möglichst unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklungen im sogenannten “Web 2.0” zusammen zu führen und innerhalb der zweieinhalb Tage eine fruchtbare Diskussion über neue und möglicherweise nicht so neue Entwicklungen im gegenwärtigen Internet anzustoßen. Deadline für Beiträge ist der 15. Mai, der Workshop steht auch im Zusammenhang mit dem Sammelband “Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web – Weblogs, Wikis, Podcasts und Communities aus interdisziplinärer Sicht” (Call for Chapters).

In der Einleitung zum Call for Papers heißt es:

Das Schlagwort “Web 2.0″ hat spätestens im Verlauf des letzten Jahres auch die deutschsprachige Diskussion erreicht. Es versucht, verschiedene aktuelle Trends zusammenzufassen, die gemeinsam haben, dass dem/der aktiven Internet-Nutzer/in eine größere Rolle beim Erstellen, kollaborativen Bearbeiten, ‘Remixen’ und Teilen von Inhalten zukommt. Bestandteile des Web 2.0 sind (1) eine Reihe von innovativen Internet-Anwendungen (wie Weblogs, Wikis, Social Networking Sites oder kollektive Verschlagwortungssysteme, …), (2) spezifische Prozesse der Software-Entwicklung (Stichworte wären hier beispielsweise “perpetual beta”, “mashups”, “user-centric design” oder “design through embedded observation”) sowie (3) Geschäftsmodelle, die auf das Erschließen von Nischenmärkten des “long tail” und nutzergenerierte Inhalte setzen.

Der Vehemenz und Aufgeregtheit der Diskussionen um das Web 2.0 zum Trotz, sind die entsprechenden Anwendungen noch nicht im “Mainstream” der Internetnutzung angekommen. Eine Sonderauswertung der ARD/ZDF-Onlinestudie 2006 erbrachte, dass bislang nur etwa 20% der deutschen Onliner Web 2.0-Angebote nutzen, und von ihnen nur etwa die Hälfte auch tatsächlich aktiv ist, also selbst Inhalte beiträgt. Zudem legt der Begriff einen „diskreten Versionssprung“ nahe, ohne auf die Kontinuitäten in der Internetnutzung Rücksicht zu nehmen, die immer schon Möglichkeiten der Partizipation, Kollaboration und der Meinungsäußerung bot – man denke zum Beispiel an die Newsgroups des frühen Usenet, oder an weit verbreitete Dienste wie Chats oder Diskussionsforen. Schließlich wird der Begriff vorrangig in (medien)ökonomischen Diskursen verwendet, weil sich mit ihm die Hoffnung verbindet, über neue Geschäftsmodelle eine kommerzielle Verwertung der Nutzeraktivitäten zu erzielen. Exemplarisch wird dies in Versuchen deutlich, unentgeltlich erstellte Inhalte als „User-Generated Content“ in die Wertschöpfung etablierter Unternehmen einzubinden bzw. die Nischenmärkte zu erschließen, die sich rund um spezialisierte Interessen kristallisieren. Die Nutzer/innen auf ihre Rolle in Marktprozessen zu reduzieren, wird der Vielfalt von tatsächlichen Verwendungsweisen und Interaktionsformen im Internet jedoch nicht gerecht.

Aus diesen Gründen erscheint es sinnvoll, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Entwicklungen im Internet ohne die Vorannahme eines “revolutionären Sprungs” zu führen und stattdessen zu untersuchen, inwieweit tatsächlich neue Nutzungspraktiken entstehen und inwieweit Verbindungen zu älteren Verwendungsweisen des Internet bestehen sowie welche individuellen und gesellschaftlichen Folgen sich aus dem möglicherweise nur inkrementellen Wandel ergeben.

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