Fragen zu Quaero und Theseus endlich geklärt

Lange wurde das deutsch-französische Suchmaschinenprojekt Quaero als Google-Killer gehandelt, dann wurde plötzlich gemeldet, dass Deutschland und Frankreich verschiedene Wege gehen und das deutsche Projekt zukünftig unter dem Namen Theseus weiterverfolgt werden soll. Wer sich die Zeit nimmt, die Antworten der Bundesregierung auf einige Anfragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen durchzulesen, erfährt nun endlich die Hintergründe der Geschichte:

Die Entscheidung zugunsten zweier eigenständiger Projekte in Frankreich (Quaero) und Deutschland (Theseus) geht – anders als z. T. in der Presse dargestellt – zurück auf den Wunsch des französischen Konsortialführers Thomson, der zu der Auffassung gelangt war, dass aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur technologischen Ausrichtung und organisatorischen Gestaltung ein eng verzahnter Ansatz beider Konsortien nicht erreicht werden könne. Die französische Seite hat gleichzeitig gebeten, den auf einen französischen Vorschlag zurückgehenden Arbeitstitel „Quaero“ weiterzuführen und einen neuen Namen für den deutschen Projektteil zu finden.

Die Kooperation zwischen beiden Projekten und Konsortien ist nicht beendet worden. Die Verhandlungen über eine Vereinbarung („basic agreement“) zwischen den Konsortialführern Thomson (F) und Empolis (D) sind weit fortgeschritten und betreffen zunächst z. B. die Einrichtung von gemeinsamen Arbeitskreisen und die Organisation von gemeinsamen Symposien zwischen Quaero und Theseus. (Drucksache 16/4102)

Erste Forschungsergebnisse sollen 2008 vorgelegt werden, so soll z.B. das Teilvorhaben Alexandria „dem Internetnutzer auf einer Plattform Möglichkeiten zur Informationsveröffentlichung und -veredelung geboten [werden], die weit über die heute gängigen Methoden hinausgehen” (Drucksache 16/3565). Worum es dabei genau geht, wird leider nicht erwähnt.

Auch mal ganz interessant: Das Quaero-Projekt wurde ja nicht ausgeschrieben (die Gründe dafür werden auch ganz plausibel erklärt), sondern eine Jury von Experten hat eingegangene Vorschläge geprüft. Auf der Website der „Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ wird diese Jury namentlich vorgestellt, außerdem gibt es hier einen Link zur im Aufbau befindlichen Seite des Theseus-Programms.

Die Liste der beteiligten Firmen und Institute liest sich in der Tat recht imposant und angesichts der Fördermittel kann man sicherlich einiges von diesem Projekt erwarten. Ob es aber tatsächlich alles so revolutionär wird, wie es angepriesen wird? Andere Firmen schlafen ja auch nicht und gerade im Bereich der Mulitmediasuche und der semantischen Methoden erscheint es kaum möglich, plötzlich völlig neuartige Dinge aus dem Hut zu zaubern, deren Umsetzung dann auch den gewachsenen Ansprüchen an Usability gerecht wird.

(via netbib)

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About Theo Röhle

Theo Röhle ist Promotionsstudent im Fach Medienkultur an der Universität Hamburg. Sein Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Dispositiv Google“ geht der Frage nach, inwiefern bisherige medienwissenschaftliche Machtkonzepte im Fall der Suchmaschinen ihre Gültigkeit beibehalten.