Angesichts der selten vorhandenen Qualität des Fernsehprogramms, der ständig leergeliehenen Videothek und der brachliegenden Flatrate-Bandbreiten liegt die Lösung ja eigentlich auf der Hand: Die Rettung des Fernsehabends müsste aus dem Internet kommen. Da sich Joost anscheinend aber noch Zeit lässt, lohnt eventuell schon einmal ein Blick auf zwei etwas weniger gehypte Angebote, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen : Zudeo und Jaman.
Der aufgemotzte BitTorrent-Client Zudeo erschien vor allem interessant, als angekündigt wurde, dass hier eine Reihe von BBC-Serien angeboten werden sollten. Bisher ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen – das Angebot beschränkt sich hauptsächlich auf frei verfügbare Kino-Trailer und Eigenproduktionen. Ein deutlicher Nachteil ist, dass Zudeo keinen eigenen Player hat und daher statt einer Vorschau nur Screenshots der Filme anzeigt. Ein Vorteil ist eine sehr einfache Upload-Funktion sowie die Möglichkeit, zu jedem Film einen Link zu erstellen, den man in Blogs usw. einbauen kann. So bietet Zudeo die Möglichkeit, Filme in wesentlich besserer Qualität als beispielsweise durch YouTube in andere Inhalte einzubinden. Allerdings geht das auf Kosten der Bequemlichkeit, denn es muss immer ein externer Player geöffnet werden, um die Filme zu sehen. Unklar bleibt bisher noch, wie sich Zudeo zur Rechte-Problematik verhalten wird. Über die Zudeo-Schnittstelle selbst ist bisher nur nicht-geschütztes Material verfügbar, über die eigene Bibliothek werden aber alle Inhalte angezeigt und im Netzwerk verteilt, die man als Torrents heruntergeladen hat, also u.U. auch geschütztes Material. Es ist schwer vorstellbar, wie das Rechte-Chaos, das entsteht, wenn hierzu noch (regional) lizensiertes Material kommt, unter Kontrolle zu halten ist. Man wird sehen.
Trotz der äußerlichen Ähnlichkeiten verfolgt Jaman einen etwas anderen Ansatz. Hier gibt es zwar auch eine Upload-Möglichkeit, die zum Sharing einlädt, das Konzept sieht aber eher vor, sich als Videothek und Vertriebsplattform für Qualitätsfilme aus aller Welt zu profilieren. Der Community-Aspekt wird bei Jaman wesentlich stärker betont, es gibt z.B. verschiedene Gruppen, in denen man sich auch mit Jaman-Mitarbeitern über alle möglichen Filmthemen austauschen kann. Über den eingebauten Player wird eine Vorschau des Films gezeigt, zusammen mit den Kommentaren bekommt man also sofort einen sehr guten Eindruck, um was für einen Film es sich handelt. Die Preise sind mit 2 Dollar pro 7-Tage-Verleih und 5 Dollar pro Kauf moderat, die Downloadzeiten mit 1-2 Stunden für einen 90-Minuten-Film auch in Ordnung. Der Fokus auf Länder außerhalb der USA ist bei Jaman sehr deutlich, durch Verträge mit Vertriebsfirmen auf der ganzen Welt gibt es schon jetzt eine beeindruckende Auswahl von interessanten Filmen. Allerdings schafft die konsequente Rechteverwaltung auch Probleme für Anwender: Gerade wenn einem die Vorschau und die Kommentare einen Film richtig schmackhaft gemacht haben, sieht man sich häufig mit dem Hinweis konfrontiert, das dieser Film in Europa nicht verfügbar ist. Irritierenderweise fehlt bisher auch eine Funktion, um nach der regionalen Verfügbarkeit von Filmen zu suchen, weshalb einem nur der Umweg über eine der Gruppen bleibt. Das europäische Angebot wird bisher sehr von Bollywood-Produktionen dominiert, man kann aber davon ausgehen, dass auch dieses Angebot in Zukunft erweitert wird.
Insgesamt erscheint Jaman bisher als die sympathischere Alternative mit dem deutlicheren internationalen Profil und der aktiveren Community. Ob Zudeo den Schritt vom reinen BitTorrent-Client zur “social cinema”-Anwendung tatsächlich schaffen wird, dürfte von der weiteren Entwicklung des Filmangebots abhängen. Da weder hier noch sonst irgendwo Verhandlungen über europäische Rechte Priorität zu haben scheinen, werden einem Jauch & Co. aber wohl noch eine Weile erhalten bleiben.
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